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    Klare Worte unserer Bürgermeisterin: „Unser Stadtbild ist divers. Und das ist gut so!“

    Was gehört für euch zum Stadtbild in Frankfurt, im Nordend? Nicht zuletzt doch die Menschen, die hier leben und mit ihren Ideen, Wünschen und Aktionen den Stadtteil mitgestalten und prägen! Auf die Äußerung unseres Bundeskanzlers in der vergangenen Woche findet unsere Bürgermeisterin und. Diversitätsdezernentin Dr. Nargess Eskandari-Grünberg klare Worte:

    „Frankfurt ist die diverseste Stadt Deutschlands, Frankfurt ist die Stadt der Paulskirche. Alle, die unsere freiheitlich-demokratischen Werte teilen, gehören zu unserem Stadtbild. Mehr als 50 Prozent der Frankfurterinnen und Frankfurter können Migrationsgeschichten erzählen, bei den unter 18-jährigen sind es sogar 70 Prozent. Frankfurt ist traditionsgemäß immer schon eine Einwanderungsstadt. In den 1950er und 1960er Jahren sind sogenannte Gastarbeitende nach Deutschland gekommen und haben dieses Land nach dem Nationalsozialismus mit aufgebaut. Heute leben sie hier schon in der dritten und vierten Generation. Sie alle sind Teil unserer Stadt und unseres Stadtbildes. Sie alle tragen zum Wohlstand und zum Erfolg unserer Stadt bei. In unser Stadtbild gehören alle Menschen, die hier aufwachsen und die zu uns kommen, die ihre Träume und Wünsche haben, aber auch stolz auf ihre Stadt und Deutschland sind. Unser Auftrag ist es, alles zu tun, um nicht die Gesellschaft zu spalten. Es gilt, unser Stadtbild zu schützen. Ein Stadtbild, das queer, vielfältig und divers ist“.

    Wo liegt nun eigentlich das Problem, Herr Merz?

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    UPDATE: „Olbia“ bittet um Unterstützung: Radhwan soll bleiben!

    „Das macht 5,90 EUR.“ Freundlich lächelt der junge Mann an der Theke der Pizzeria „Olbia“ in der Glauburgstraße die vor ihm stehende Kundin an. Obwohl es erst kurz nach vier ist, ist viel zu tun – nicht umsonst gehört das „Olbia“ zu den besten Pizzerien im Nordend. Radhwan lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Routiniert nimmt der 25-jährige Bestellungen entgegen, kassiert, schaut zwischendurch auf der Terrasse und in der Küche nach dem Rechten – und verliert bei alldem niemals sein breites Lächeln.

    Dabei ist Radhwan derzeit alles andere als zum Lachen zumute . Mitte August lag er dann doch im Briefkasten, der gefürchtete Brief mit dem hessischen Wappen auf dem Umschlag, das knappe Schreiben, das Existenzen vernichtet und Träume zerstört und das alle fürchten, die hier lediglich geduldet sind und über die alle paar Wochen ein erneutes Urteil gefällt wird.

    2021 floh Radhwan aus dem Irak; seine Eltern und Geschwister leben noch dort. Die jüngste Schwester ist krank; immer wieder ist die kurdische Familie zudem Repressalien und Bedrohungen ausgesetzt. Trotzdem erhält der junge Mann kein Asyl, lediglich eine Duldung. Dass heißt, er darf nicht ausziehen, aus seiner Unterkunft in Friedrichsdorf, nicht verreisen, nicht ohne weiteres eine Ausbildung oder ein Studium aufnehmen, vor allem erhält er keinen gesicherten Aufenthaltsstatus: Alle paar Wochen muss die Duldung verlängert werden, dann heißt es wieder zittern. Ob und wie lange eine Verlängerung erfolgt, liegt allein im Ermessen der Behörde. Liegen keine Gründe vor, die eine Abschiebung faktisch unmöglich machen – etwa fehlende Pässe – kann sie auch in Fällen gewährt werden, in denen jemand einer Arbeit oder Ausbildung nachgeht. Die Betonung liegt hier auf „Kann“. Immer werden die Betroffenen so daran erinnert, dass sie eigentlich nicht erwünscht sind in diesem Land, dass sie nicht dazugehören sollen, jederzeit ausgewiesen werden können.

    Vier Jahre lang lebt Radhwan mit dieser Unsicherheit. Vier Jahre sind eine lange Zeit im Leben eines 25-jährigen, genug Zeit, anzukommen, sich einzuleben, sich ein Leben aufzubauen. Im Oktober 2023 fängt Radhwan im „Olbia“ an. Die Arbeit macht ihm Freude, sein Chef, Fabrizio Sanna, ist hochzufrieden mit ihm: „Bei Null hat er begonnen, heute ist er einer der besten Pizzabäcker hier und mit seiner herzlichen Art sehr beliebt bei den Gästen!“. Deutsch spricht der junge Mann inzwischen fließend, verdient seinen Lebensunterhalt, zahlt Steuern.

    Und dann kommt er doch, dieser Brief. Warum eine Duldung nicht mehr verlängert wird und wann genau die Abschiebung vollzogen wird, das teilt die Behörde den Ausreisepflichtigen nicht mit. Jeden Tag könnten sie nun an die Zimmertür seiner Unterkunft klopfen, jedes Mal, wenn im „Olbia“ die Tür aufgeht, könnten es Polizeibeamte sein, die gekommen sind, um Radhwan abzuholen. Was macht das mit den Menschen? „Die Gefahr, dass das Leben von einem Moment auf den anderen wegbrechen kann, stellt eine starke psychische Belastung dar“, heißt es auf der Webseite von Proasyl.

    Eine Belastung, die nicht nur die von Abschiebung Bedrohten selbst trifft, sondern auch das gesamte Umfeld. „Uns gibt es seit 50 Jahren im Nordend, seit Corona haben wir in der Gastronomie jedoch massive Probleme, gute Fachkräfte zu finden“, sagt Fabrizio Sanna. Auf keinen Fall möchte er Radhwan verlieren, nicht als Mitarbeiter und nicht als Mitglied unserer Gesellschaft. „Wer hier arbeitet, sich integriert und sich jeden Tag engagiert, um etwas aufzubauen, sollte bleiben dürfen“, ist Sanna überzeugt. Auf Facebook und über die Medien macht er derzeit auf das Schicksal seines Mitarbeiters aufmerksam, hat auch eine Petition auf „open Petition“ gestartet, mehr als 300 Unterstützer*innen haben bereits unterschrieben.

    Fragt man Radhwan, wie er sich seine Zukunft erträumt, lächelt der junge Mann bescheiden. Gerne möchte er eine Ausbildung absolvieren, weiterlernen und -arbeiten, eines Tages eine Familie gründen. Und einfach nur leben.

    Um Radhwan zu unterstützen, unterzeichnet und teilt bitte die Petition, die ihr hier findet!

    UPDATE: Nach Monaten der Ungewissheit hat Radhwan jetzt wieder eine Duldung erhalten, die ihm zumindest zunächst einmal bis Ende Januar 2026 Sicherheit verschafft. Vielen Dank an alle, die die Petition der Pizzeria Olbia unterstützt haben!