Bei der konstituierenden Sitzung am Donnerstag haben die Mitglieder des Ortsbeirates Karin Guder (Bündnis 90/Die GRÜNEN) als Ortsvorsteherin wiedergewählt – und das bereits zum sechsten Mal: Seit 2003 hat die pensionierte Lehrerin das Amt schon inne und ist damit die „dienstälteste“ Ortsvorsteherin in Frankfurt. Als solche leitet sie nicht nur die Sitzungen des Ortsbeirates, sondern ist auch Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger, quasi eine „Stadtteilbürgermeisterin“. Was Karin Guder an ihrem Amt besonders liebt und wie sie den aktuellen Herausforderungen begegnen möchte, erzählt sie uns im Interview.
Herzlichen Glückwunsch, liebe Karin Guder! Zum sechsten Mal in Folge sind Sie nun zur Ortsvorsteherin im Nordend gewählt worden und können auf eine Amtszeit von sage und schreibe 23 Jahren zurückschauen. Was motiviert Sie, dieses Amt über einen so langen Zeitraum auszuüben?
Ich lebe sehr gerne im Nordend und engagiere mich auch gern für den Stadtteil. Meine Motivation kommt aus dem Erfolg. An vielen Stellen konnten wir als Ortsbeiräte an Veränderungen mitwirken und wirklich positiven Einfluss nehmen. Das zeigt mir, dass es sich lohnt, weiter zu bohren, auch wenn die Bretter oft dick sind. Als Ortsvorsteherin möchte ich vor allem Verständnis für ein Miteinander wecken. Mir liegt es, zu vermitteln, Diskussionen anzustoßen und aus nur scheinbar widerstreitenden Interessen eine gemeinsame Lösung zu entwickeln. Ich sehe mich dabei nicht nur als Unterstützerin für das Engagement der Bürgerinnen und Bürger, sondern auch als Vermittlerin zwischen ihnen und der Verwaltung. Verwaltungsstrukturen sind leider oft intransparent. Nicht zuletzt setze ich mich als Ortsvorsteherin für Toleranz und Verständnis zwischen den Parteien ein. Es lohnt sich, Dinge zu hinterfragen. Dass die Menschen im Stadtteil die Initiativen, die wir in der Stadtteilpolitik einleiten, aufgreifen, sich beteiligen und die Dinge eigenständig weiterentwickeln .- wie zum Beispiel am Merianplatz, wo sich mit „Mikrokosmos Merianplatz“ eine Bürgerinitiative gebildet hat – das freut mich immer wieder.
Wenn Sie auf Ihre bisherige Amtszeit zurückblicken, was ist ihnen dabei – positiv oder negativ – am meisten im Gedächtnis geblieben?
Sehr positiv erinnere ich mich an die Mediation, die wir gemeinsam mit der zuständigen Dezernentin organisiert hatten, um eine Lösung für die „Freitagspartys“ am Friedberger Platz zu finden. Anwohner*innen und Feiernde kamen dabei miteinander ins Gespräch und konnten auch Verständnis für die jeweils andere Perspektive entwickeln. Einen ähnlichen Beteiligungsprozess gab es auch beim Bau der Quartiersgarage in der Glauburgstraße. Wunderbar war natürlich, dass es mit Unterstützung des Ortsbeirates damals gelungen ist, die Orangerie im Günthersburgpark für den Kinderschutzbund zu gewinnen. Das war ganz am Anfang meiner Amtszeit. Als nicht so schön erlebe ich die zunehmende Vermüllung im Stadtteil, auch durch die wachsende Gastronomie. Hier brauchen wir dringend Lösungen zur Müllvermeidung.
Wie hat sich das Nordend und damit vielleicht auch Ihre Aufgabe als Ortsvorsteherin über die Zeit verändert?
In den letzten Jahren ist der Aspekt der Konfliktvermittlung mehr in den Vordergrund getreten. Das zeigt sich zum Beispiel in der Diskussion zwischen Betreibern von Außengastronomie und den Anwohnerinnen und Anwohnern, die sich mehr Schutz und ein ein stärkeres Reglement von Lärm wünschen.
Zunehmende Polarisierung – es steht zu befürchten, dass hiervon künftig auch die Arbeit im Ortsbeirat mehr geprägt sein wird. Wie wollen Sie damit umgehen?
Ich möchte alles dafür tun, dass diese Polarisierung nicht stattfindet. Denn gemeinsame Lösungen entstehen nicht durch Polarisierung, sondern durch ausgleichende, sachliche Diskussionen.
Was kommt auf Sie als Ortsvorsteherin aber auch auf den Ortsbeirat in den kommenden fünf Jahren zu? Was möchten Sie in dieser Zeit angehen?
Wir wollen den Stadtteil weiter gestalten und dabei ein Umfeld schaffen, in dem sich alle Menschen sicher fühlen und gerne aufhalten. Dazu gehört, den Autoverkehr weiter zu reduzieren und mehr Sicherheit für Radfahrende und Zu-Fußgehende zu schaffen. Dazu gehört vor allem auch, die Kinder stärker in den Fokus zu rücken. Wenn im August die verpflichtende Ganztagsbetreuung startet, sollen sie ein Schulumfeld vorfinden, in dem sie sich wohlfühlen. Ganz wichtig ist es, die demokratischen Kräfte in unserem Stadtteil zu stärken. Ich bin sehr gespannt, welche Ideen und Initiativen die neuen Mitglieder im Ortsbeirat einbringen werden.