Das Nordend ist trauriger Vizemeister
Die Karte, die Roland Roher und Laura Wagner von der FES am Donnerstag mit in die Sitzung des Ortsbeirates gebracht haben, ist übersät mit blauen Punkten. Jeder einzelne von ihnen zeigt eine sogenannte „Wilde Ablagerung“ irgendwo im Stadtteil. Wilde Ablagerungen, das ist Müll, der einfach so auf der Straße landet. Angefangen von Zigarettenkippen, über Pizzakartons bis hin zu nicht angemeldetem Sperrmüll. Von allen Frankfurter Stadtteilen belegt das Nordend in punkto nicht fachgerecht entsorgtem Müll, den zweiten Platz. Woran liegt das und vor allem: Was können wir dagegen tun? Darüber entspann sich unter den Ortsbeiratsmitgliedern und den anwesenden Bürgerinnen und Bürgern im Anschluss eine lebhafte Diskussion. Viele gute Vorschläge werden dabei geäußert: Gabriele Trah, Fraktionsvorsitzende der Grünen, merkte an, dass es oft zu wenig und zu kleine Mülleimer und Papierkörbe im öffentlichen Raum gebe. Vor allem in den Parks, wo sich die jungen Leute jetzt im Sommer gerne abends zum Feiern treffen, ist das ein Problem; gerade erst hat die grüne Fraktion im Ortsbeirat einen Antrag für mehr und größere Papierkörbe im Holzhausenpark auf den Weg gebracht, auch sollen – zum Beispiel am Merianplatz – sogenannte „Müllgaragen“ getestet werden. Eine schnelle Lösung ist das auch nicht, für jeden Ort müssen die „passenden“ Behältnisse gefunden werden und der Inhalt gegen Krähen und Nagetiere geschützt werden. Marina Sedlo (FDP) schlägt vor, nach dem Vorbild anderer Städte wie München über eine Verpackungssteuer nachzudenken. Auch Claudia Ehrhard (CDU) sieht Chancen im Gespräch mit der Gastronomie. Ihr Parteikollege Thomas Dittrich regt an, mehr Schilder aufzustellen, die das Abstellen von Sperrmüll untersagen. Dass dieser im Stadtgebiet kostenlos abgeholt wird, wie Roher und Wagner ausführen, ist vielleicht nicht allen Bürgerinnen und Bürgern bekannt. „Wäre es möglich, „neuralgische“ Punkte, zum Beispiel den Glauburgplatz, öfter und auch sonntags zu reinigen?“, möchte Manuel Rudolph vom Vereinsring Nordend wissen. Leider nicht, führen Roher und Wagner aus und verweisen auf die Lärmschutzverordnung, aber auch auf personelle und finanzielle Kapazitäten, die dem entgegenstehen: „Wir können nicht an sieben Tagen vierundzwanzig Stunden lang hinter den Bürgerinnen und Bürgern herräumen!“ Die Lösung dürfte eine Mischung aus allem sein: mehr und vor allem größere Mülleimer, die Verantwortung der Gastronomie stärken, konzentrierte und schnelle Reinigung, bessere Aufklärung der Bürgerinnen und Bürger. Ein positives Beispiel, so führen Roher und Wagner aus, sei der Friedberger Platz: Hier habe sich die Situation nach den freitäglichen Partys seit dem letzten Jahr spürbar entspannt. Deutlich wird aber vor allem eins: Politik, Stadtreinigung und Gastronomie können immer nur ein Teil der Lösung sein. „Viele Menschen haben eine Vollkaskomentalität“, bringt Christoph Enter, Bürger aus dem Nordend, es auf den Punkt. Ein Eindruck, den Margit Martin-Marx von der Initiative „Mikrokosmos Merianplatz“ bestätigt: „Die Leute sehen es nicht ein, beim Müllsammeln zu helfen und verweisen darauf, dass sie ja genau dafür Steuern zahlen“, schildert sie ihre Erfahrungen. Dabei könnte es so einfach sein: „Den eigenen Müll in die Tonne und nicht auf die Straße werfen und dabei auf die Mülltrennung achten. Das sind die Minimalanforderungen“, erklärt Laura Wagner. „Wenn jeder mithilft, dann funktioniert es!“
Die Brücke fällt – was dann?
Architektonisch nicht sehr schön zieht sie sich seit gut 50 Jahren über die Eschersheimer Landstraße, ist inzwischen marode, war niemals barrierefrei und auch nicht sehr angenehm für diejenigen, denen die Passantinnen und Passanten ungehindert ins Wohn- oder Schlafzimmer gucken können: Die Fußgängerbrücke, die das Holzhausenviertel mit der Bremer Straße, dem Unicampus und auch mit der Holzhausenschule verbindet. Letzteres sorgte am Donnerstagabend für die zweite große Diskussion im Ortsbeirat. Denn im September soll die Brücke ersatzlos abgerissen werden. Damit die Schulkinder (und auch ältere Fußgängerinnen und Fußgänger) zügig und vor allem sicher über die beiden hier vierspurigen und in beiden Richtung von Radfahrstreifen gesäumten Hauptverkehrsstraßen kommen, bedarf es grundlegender Änderungen in der Verkehrsführung und der Ampelschaltung. Der Ortsbeirat wird das weitere Geschehen eng begleiten.
Neue Kinder- und Seniorenbeauftragte gewählt
In jedem Stadtteil gibt es sogenannte „Ehrenbeamte“: Sozialbezirksvorsteher*innen, Kinder- und Seniorenbeauftragte. Bewerben kann sich hierfür jeder und jede Erwachsene, teilweise gelten weitere Voraussetzungen wie der Wohnsitz im entsprechenden Bezirk oder der Ausschluss städtischer Bediensteter. Der Ortsbeirat hat ein Vorschlagsrecht und bestimmt zur Beginn der Wahlperiode jeweils einen oder eine Kinder- und Seniorenbeauftragte*n sowie für jeden der fünf Sozialbezirke jeweils eine*n Vorstehenden und eine Stellvertretung. Vor allem für das Amt der Kinderbeauftragten war das Interesse dieses Mal groß: „Dass wir hier aus insgesamt fünf Bewerberinnen und Bewerbern auswählen können, hat es noch nie gegeben“, sagt Ortsvorsteherin Karin Guder. In nicht öffentlicher Sitzung entschied sich das Gremium am Donnerstag für Lorenz Gemper (der das bereits in der letzten Wahlperiode innehatte) und die Erzieherin Saskia Martinez, die Jette Ewerhardy nachfolgen wird. Zu Seniorenbeauftragten wurden Pieter Zandee und Christian Kruse (Stellvertretung) wiedergewählt. Die Wahl der Sozialbezirksvorsteher*innen wurde aus Zeitgründen auf die erste Sitzung des Ortsbeirates am 20. August verschoben