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HOLZHAUSENSCHLÖSSCHEN: freiheitsKlang – Grunelius-Konzerte
Kammerkonzert mit Tobias Feldmann (Violine) und Alexander Krichel (Klavier)
Eintritt: € 43,- (Parkett, Reihe 1-5) / € 26,- (Parkett, Reihe 6 und Fensterbänke) / € 15,- (Empore, eingeschränkte Sicht)
(2025. Bürgerkonzert)
Programm
Nicola Matteis d. J. (1677-1737)
Fantasie a-Moll für Violine solo „Alia Fantasia“
Clara Schumann (1819-1896)
Drei Romanzen für Violine und Klavier, op. 22
Ludwig van Beethoven (1770-1827)
Sonate F-Dur für Klavier und Violine, op. 24 „Frühlingssonate“
Pause
Franz Liszt (1811-1886)
Ballade Nr. 2 in h-Moll „Hero und Léandre“
Albert Dietrich (1829-1908) / Robert Schumann (1810-1856) / Johannes Brahms (1833-1897)
Sonate für Violine und Klavier, „FAE-Sonate“
Besetzung
Tobias Feldmann (Violine)
Alexander Krichel (Klavier)
Zum Programm
Im Rahmen der Konzertreihe „freiheitsKlang“ lädt unser Programm zu einer musikalischen Erkundung des Begriffs der Freiheit ein – einer Idee, die sich in der Musik nicht nur als politisches oder gesellschaftliches Ideal, sondern auch als künstlerischer Impuls, als persönlicher Ausdruck und als Moment kreativer Grenzüberschreitung manifestiert. Die ausgewählten Werke spannen dabei einen Bogen über mehrere Jahrhunderte und zeigen, wie unterschiedlich Komponistinnen und Komponisten Freiheit erfahren, behaupten oder gestalten.
Den Auftakt bildet die Alia Fantasia für Violine solo von Nicola Matteis. Die Fantasie als Gattung steht seit jeher für musikalische Freiheit: Sie löst sich von strengen Formen und eröffnet Raum für improvisatorische Gesten, spontane Einfälle und virtuose Entfaltung. In Matteis’ Werk erscheint die Violine als Stimme individueller Ausdruckskraft – frei von Begleitung, allein im Raum. Diese musikalische Selbstständigkeit lässt sich als frühes Beispiel jener künstlerischen Freiheit verstehen, die im Barock zunehmend an Bedeutung gewann.
Mit den drei Romanzen op. 22 von Clara Schumann rückt eine andere Dimension der Freiheit in den Mittelpunkt: die persönliche und künstlerische Selbstbehauptung. Clara Schumann war nicht nur eine der bedeutendsten Pianistinnen des 19. Jahrhunderts, sondern auch eine Komponistin, die sich in einer Zeit stark eingeschränkter Möglichkeiten für Frauen eine eigene Stimme erkämpfte. Die Romanzen zeichnen sich durch intime Ausdruckskraft, lyrische Freiheit und ein sensibles Wechselspiel zwischen Violine und Klavier aus. In ihnen wird Freiheit zu einer inneren Haltung – zu einem Raum poetischer Empfindung, der sich jenseits gesellschaftlicher Begrenzungen entfaltet.
Auch die Sonate Nr. 5 in F-Dur op. 24 „Frühlingssonate“ von Ludwig van Beethoven ist von einem Geist der Befreiung geprägt. Schon der Beiname „Frühling“ verweist auf Aufbruch, Erneuerung und Lebendigkeit. Beethoven erweitert in dieser Sonate die Rolle der Violine gegenüber früheren Modellen zu einer gleichberechtigten Partnerin des Klaviers. Die Musik atmet Weite und Beweglichkeit; ihre melodische Offenheit und ihr dialogischer Charakter lassen sich als Ausdruck jener künstlerischen Emanzipation verstehen, die Beethovens Werk insgesamt prägt.
Nach der Pause führt die Ballade Nr. 2 in h-Moll „Hero und Léandre“ von Franz Liszt in eine ganz andere Klangwelt. Das Werk ist von der antiken tragischen Liebesgeschichte von Hero und Leander inspiriert. Liszt erzählt diese Geschichte nicht mit Worten, sondern allein durch Musik: ruhige, nachdenkliche Passagen wechseln sich mit dramatischen und virtuosen Abschnitten ab. Dabei nutzt Liszt die klanglichen Möglichkeiten des Klaviers sehr frei und farbenreich. Diese Freiheit im Umgang mit Form und Ausdruck ist typisch für die Musik der Romantik und zeigt, wie sehr sich Komponisten dieser Zeit von festen musikalischen Regeln lösen wollten.
Den Abschluss bildet die sogenannte FAE-Sonate, ein Gemeinschaftswerk von Albert Dietrich, Robert Schumann und Johannes Brahms. Sie entstand 1853 als musikalisches Geschenk für den Geiger Joseph Joachim, dessen Lebensmotto „Frei aber einsam“ (F.A.E.) dem Werk seinen Namen gab. In dieser ungewöhnlichen Zusammenarbeit verbinden sich drei individuelle kompositorische Handschriften zu einem gemeinsamen Ganzen – ein Beispiel künstlerischer Freiheit im Dialog. Zugleich verweist das Motto auf die Ambivalenz der Freiheit: Sie bedeutet Selbstbestimmung, kann aber auch Einsamkeit mit sich bringen.
So zeigt dieses Programm Freiheit in vielen Facetten: als improvisatorische Offenheit, als persönliche Selbstbehauptung, als künstlerische Emanzipation, als romantische Grenzüberschreitung und als existenzielles Lebensmotto. In der universellen Sprache der Musik wird der Freiheitsgedanke damit nicht nur thematisiert, sondern unmittelbar erfahrbar gemacht.