Sonntag, 15.00 Uhr Merianplatz: Vor dem Stadtteiltreff haben Helferinnen und Helfer Tische und Bänke aufgebaut, viele haben selbstgebackenen Kuchen mitgebracht, der auf Spendenbasis angeboten wird. Ein Saxophon und eine Gitarre warten auf ihren musikalischen Einsatz; der Platz füllt sich langsam, Stadtbezirksvorsteherin Ingrid Peikert begrüßt die Anwesenden. So mancher Blick geht zweifelnd zum Himmel, doch noch hält das Wetter.
Etwas mehr als ein Jahr ist es her, dass Andrea Pilz und Gudrun Korte, beide langjährig im Nordend ehrenamtlich aktiv und gut vernetzt, die Idee hatten, einen Begegnungsort für die Menschen in ihrem Stadtteil zu schaffen. Einen Ort, der – anders als thematische Veranstaltungen – möglichst viele unterschiedliche Menschen zusammenbringen sollte. Einen Ort, der allen – unabhängig von der Dicke des Portemonnaies – offen stehen sollte. Rasch hatte sich eine Gruppe engagierter Frauen um Pilz, Korte und Peikert zusammengefunden, die diese Idee aufgegriffen und gemeinsam umsetzten.
Einmal im Monat – immer am zweiten Sonntag – verwandelt sich der Stadtteiltreff seither in ein fröhliches Café. Menschen jeden Alters aus ganz unterschiedlichen Bereichen und mit vielfältigen Themen treffen hier aufeinander. Sie alle eint, dass sie Lust haben, anderen Menschen zu begegnen, neue Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen. Im Idealfall entsteht daraus mehr: „Aus zufälligen Begegnungen im Nachbarschaftscafé haben sich nicht nur Freundschaften, sondern auch bereits einige Initiativen entwickelt, die nachhaltige Arbeit im Stadtteil leisten“, weiß Ingrid Peikert. So kam Café-Besucherin Jutta Streibel durch Gespräche im Nachbarschaftscafé auf die Idee, im Stadtteiltreff regelmäßig Workshops anzubieten, die Seniorinnen und Senioren den versierte Umgang mit dem Smartphone vermitteln.
16.00 Uhr: Rund 70 Menschen sind heute gekommen, lassen sich Kaffee und Kuchen schmecken, reden, lachen, lauschen der Musik. Die ist fester Bestandteil jedes Cafénachmittages, die Musikerinnen und Musiker treten ehrenamtlich auf. Zwei Frauen sind aus dem nahen Seniorenzentrum herübergekommen, freuen sich, hier mit Nachbarinnen und Nachbarn ins Gespräch zu kommen. Eine andere Dame ist neu ins Nordend gezogen und zum ersten Mal dabei; sie will auf jeden Fall wiederkommen und beim nächsten Mal auch etwas Selbstgebackenes beisteuern. Es beginnt zu regnen, zum Glück hört es gleich wieder auf. Das Wetter gehört zu den Herausforderungen, denen sich das Orga-Team bei der Planung des Cafés stellen musste. Denn drinnen – das war schnell klar – wird der Platz nicht reichen. Zum Glück fand sich für die Wintermonate eine gute Lösung: Von Oktober bis April schlägt das Nachbarschaftscafé seine Zelte im Gemeindesaal der nahen Lutherkirche auf. Auch andere organisatorische Hürden – wo lassen sich Tische und Bänke ausleihen und vor allem bis zum nächsten Cafésonntag lagern? Wie stellen wir sicher, ausreichend Kuchen zu haben? Wie bewerben wir das Caféprojekt? – wurden im Team angegangen und erfolgreich genommen.
16.30 Uhr: Offiziell schließt das Café für dieses Mal seine Pforten, so richtig mag noch niemand aufstehen, es ist gerade so gemütlich. Beim Abbauen packen aber doch alle mit an, so sind rasch die Teller und Tassen eingesammelt, abgespült und weggeräumt, die Tische und Bänke zusammengeklappt. Vom Mitmachen und Mitanpacken lebt das Nachbarschaftscafé: An jedem Cafésonntag liegen Listen aus, in die sich eintragen kann, wer beim Auf- und Abbau oder der Organisation helfen oder einen Kuchen beisteuern möchte. Auch finanzielle Unterstützung ist hochwillkommen – davon werden Kaffee, Milch und Zucker sowie Blumenschmuck besorgt und bei Bedarf das Kuchenangebot ergänzt. „Es sind nicht wir für die anderen, sondern wir alle gemeinsam, die das Nachbarschaftscafé in jedem Monat auf die Beine stellen“, bringt Ingrid Peikert es auf den Punkt.
Das nächste Nachbarschaftscafé findet am Sonntag, 13. Juli von 15.00 – 16.30 Uhr im Stadtteiltreff Merianbad statt.