Worin liegt der Sinn des Lebens? Diese Frage stellt sich der namenlose Ich-Erzähler in Axel Hackes Roman „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“ seit Langem. Obwohl er nie ein Mann werden wollte, „der jeden Abend um die gleiche Zeit die gleiche Uhr aufzieht“, führt er ein Leben, das ihn von sich selbst so sehr entfremdet hat, dass ihm auf einer nächtlichen Zugfahrt sogar sein eigenes Spiegelbild abhanden kommt. Eines Tages, beim Spaziergang im Park, wird der Erzähler buchstäblich beinahe von der Welt erschlagen. Die saust in Form eines Globus auf ihn herab und dass der Erzähler diesen Sturz überlebt, verdankt er einem alten Mann, der ihn in letzter Sekunde zur Seite stößt. Bald treffen sich die beiden Männer täglich und bei ihren Streifzügen durch die Stadt geschehen stets seltsame Dinge: Der Alte lässt steinerne Löwen durch Reifen springen und dirigiert am blauen Himmel unversehens dunkle Wolkengebilde herbei. Erst allmählich dämmert es dem Erzähler, wen er da wirklich vor sich hat – niemand anderen als den allmächtigen Schöpfer des Himmels und der Erde höchstpersönlich! Aber – das stellt der Erzähler bald fest – der ist im Grunde auch nur „ein melancholischer alter Mann, der etwas Großes hatte tun wollen, der geglaubt hatte, eine wunderbare Idee zu haben und der nun ansehen und einsehen muss, dass er dabei Fehler gemacht hatte, nicht wieder gutzumachende Fehler“. Doch liegt nicht hinter allem doch noch ein Fünkchen Hoffnung? Und kann der Erzähler am Ende die Frage nach dem Sinn des Lebens beantworten?
Mit der phantasievollen Parabel, die der Journalist (u.a. Süddeutsche Zeitung) und Autor Axel Hacke 2016 veröffentlichte, eröffnet das Stalburgtheater die neue Spielzeit. Aus dem Roman hat Robert Koall, Dramaturg im Düsseldorfer Schauspielhaus, wo das Stück 2017 auch uraufgeführt wurde, eine 90-minütige Bühnenfassung geschaffen, der der Spagat gelingt, die Perspektive des Ich-Erzählers hin zum dialogischen Austausch zu rücken, dabei die Handlung zu straffen und zu verdichten, ohne den ursprünglichen Text zu verändern. Die kleine Bühne des Stalburgtheaters muss weitgehend ohne den Einsatz aufwändiger Bühnenbilder, Requisiten und Kostümierung auskommen – lediglich einige Videoinstallationen werden zwischendurch auf eine Wolke im Hintergrund projiziert – was jedoch der Produktion keinen Abbruch tut. Denn Regisseur Rainer Ewerrien gibt den beiden Darstellern viel Freiraum, ihre Rollen auszugestalten: Christoph Matsch spielt einen glaubhaft zwischen Resignation und ungeduldigem Aufbegehren schwankenden Erzähler und Hans Richter gibt – mit ausdrucksvollem Minenspiel – einen herrlich sarkastischen Gott. Das Publikum erlebt so einen Theaterabend, der viel Stoff zum Lachen, aber – vor allem in der Pause – auch zum ernsthaften Diskutieren bietet.
Am Ende gab es viel Beifall für die gelungene Premiere.
„Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“ könnt ihr an folgenden Tagen im Stalburg-Theater sehen: Donnerstag, 11.09., Freitag, 12.09, Mittwoch, 17.09., Freitag, 26.09., Samstag, 27.09., Freitag, 03.10., Samstag, 04.10., Freitag, 24.10., Samstag, 25.10., Freitag, 07.11., Samstag, 08.11., Freitag, 21.11., Samstag, 29.11., Dienstag, 02.12, und Samstag, 13.12. Die Vorstellung beginnt jeweils um 20.00 Uhr, nach 45 Minuten wird eine Pause gemacht. Getränke und kleine Snacks können an der Bar erworben und während der Vorstellung konsumiert werden. Tickets gibt es für 29 Euro (erm. 27 EUR) hier.
Das Buch „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“ von Axel Hacke ist – liebevoll illustriert mit Bildern von Michael Sowa – 2016 im Verlag Antje Kunstmann erschienen (ISBN 978-3-95614-118-8) und auch als E-Book und Hörbuch erhältlich.