Wäre das große Ausstellungsplakat nicht – man würde an dem Haus in der Hermannstraße 41 vorbeigehen und nicht ahnen, welches Kleinod sich hier – inmitten der ruhigen Seitenstraße des Oeder Weges – verbirgt: Schon wenn man den herrlichen Garten mit seinen Blumenrabatten und alten Bäumen betritt, spürt man, dass man an einem ganz besonderen Ort ist.
Bereits seit 1976 treffen hier Kunstinteressierte auf lokale Künstlerinnen und Künstler. Die Galerie hieß seinerzeit noch „Der grüne Panther“, wurde von einem KünstlerI*innenkollektiv um die Malerin Karin Wiesmann betrieben und genoss – nicht nur in der Szene der ehemaligen Studentenbewegung – einen legendären Ruf. 2009 übernahm die Pädagogin und Galeriemitarbeiterin Karin Beuslein die Räumlichkeiten und eröffnete „Das BIlderhaus“. Zum 01. Januar 2021 übergab die damals 80-jährige die Leitung an Jutta Uhlendorf-Baier. Der Name des „Bilderhauses“ ist Programm – betritt man das Treppenhaus, reiht sich Bild an Bild, soweit das Auge reicht – man weiß gar nicht, wohin man zuerst schauen soll. Die eigentliche Galerie befindet sich jedoch im Souterrain, drei Ausstellungsräume sind es und ein Küchenraum, in dem zu Vernissagen Wein und Knabberzeug angeboten werden. Im hintersten Raum steht ein Klavier, denn das „Bilderhaus“ widmet sich nicht nur der bildenden Kunst – regelmäßig finden auch Konzertabende und andere Veranstaltungen statt, bei schönen Wetter draußen im Garten.
Dichtes Gedränge herrscht an diesem Sonntagabend in den Galerieräumen; alle sind sie noch einmal gekommen, zu dieser letzten Vernissage: Zum 31. August will Jutta Uhlendorf-Baier die Galerietätigkeit beenden und sich auf die Organisation von Konzerten und Veranstaltungen konzentrieren. Einige Projekte hat sie schon in Aussicht, über weitere Angebote würde sie sich freuen.
Zuvor jedoch hat sie unter dem Motto „Fünf Jahre für die Kunst“ noch einmal alle Künstlerinnen und Künstler, mit denen sie im Laufe der Jahre zusammengearbeitet hat, eingeladen, sich und ihre Arbeit vorzustellen. Das Ergebnis ist eine bunte Mischung aus unterschiedlichsten Stilen und Techniken. Da ist die Mixed-Media-Arbeit „Der Duft von Worldwideweb“ von Barbara Fuentes, zu der die Darmstädterin von der früher allgegenwärtigen Zigarettenwerbung angeregt wurde. Eine Reise nach Brasilien inspirierte Natalie Goller zu ihrem Werk „Buenos Aires“, das fotografische und gemalte Elemente zu einer bunten Collage kombiniert. Der Maler und ehemalige Dozent der HfG Offenbach, Volker Steinbacher, hielt sein Interesse für Planeten in der Radierung „Aus der Oortschen Wolke“ fest. Vroni Schwegler hat ihre „Vögel“ in Milchtütenkartons eingeritzt. Und die Zeichnerin Leonore Poth ging mit offenen Augen durch Frankfurt. Was ihr dort besonders ins Auge stach: „An jeder Ecke gibt es eine Baustelle“.
Natürlich – immerhin sind wir in einer Galerie – lassen sich alle ausgestellten Werke nicht nur besichtigen, sondern auch käuflich erwerben – und das sogar für den vergleichsweise schmalen Geldbeutel: Zwischen 145 und 3.300 Euro liegen die Verkaufspreise – mit einigen kann man sogar ein gutes Werk tun: „Künstlerinnen und Künstler können nicht nur durch ihre Arbeit selbst zum öffentlichen Diskurs beitragen, sondern auch durch deren Verkauf, indem sie Initiativen unterstützen, die sich für Freiheit und Demokratie und gegen Rassismus und Diskriminierung einsetzen“, führt Walter H. Krämer aus. Den Erlös seiner Collage „Black Life Matters“, einer Hommage an die gleichnamige soziale Bewegung, würde der Sachsenhäuser Künstler an Amnesty International spenden. Auch Margarethe Berghoff bietet ihre Papiercollage für einen guten Zweck an: Sie möchte damit Greenpeace unterstützen.
Noch bis zum 31. August ist die Ausstellung zu sehen – immer montags bis mittwochs von 16.00 bis 19.00 Uhr und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr – und die Konzertreihe „Bilderhausmusik“ steht noch bis Mitte September auf dem Programm. Wie es danach mit der Galerie weitergeht, ist noch offen. „Ich würde mich aber auf jeden Fall sehr freuen, wenn das „Bilderhaus“ als Ort der Kunst und Kommunikation erhalten bleibt“, sagt Jutta Uhlendorf-Baier